Druck - was steckt hinter dem Begriff

 

 

Druck - ein Ausdruck, mehr noch ein Werkzeug, welches in der Pferdewelt tunlichst zu vermeiden ist. Aber was genau ist dieser ominöse Druck, wie lässt er sich beschreiben, wo kommt er her und vielleicht lässt sich ja doch mit ihm Leben?

 

Physikalisch ausgedrückt beschreibt Druck eine Wirkung einer Kraft auf eine Fläche. Wenn wir also mit dem Stift auf einem Blatt Papier schreiben, üben wir mit unserem Körper mittels des Stiftes Druck auf das Blatt Papier aus. Auch die physischen Liebkosungen an einer uns nahestehenden Person sind immer mit Druck verbunden. In diesem Zusammenhang spielt das wie eine große Rolle. Denn es macht einen gewaltigen Unterschied, wie ich den von mir ausgeübten Druck dosiere, damit aus meiner Handlung eine liebevolle Berührung wird. Verstärke ich den Druck und nehme emotionalen Druck mit dazu entwickelt sich mein posiver Druck zu einer negativen Handlung.

 

Druck kann ich ebenso auf phsychischer Ebene anwenden, um meinen Forderungen Nachdruck zu verleihen oder mein Gegenüber mental unter Druck zu setzen. Bereits jetzt wird es für den ein oder anderen zu einer Herausforderung den Begriff "Druck" für sich zu definieren und heraus zu filtern, wie und wo ich Druck eigentlich in meinem Altag bei meinen Mitmenschen oder sogar bei mir selbst einsetze . Der psychische Druck ist für viele Menschen weitaus schlimmer als der Physikalische, denn einem physikalischen Druck können wir uns aktiv entziehen, indem wir die kritische Situation verlassen - dem psychischen Druck zu entkommen ist hingegen weitaus schwieriger. Unser Gehirn läuft in solch einer Situation schier in einer Endlosschleife, die wir zu durchbrechen versuchen, indem wir krampfhaft nach einer Lösung suchen. Genau so funktioniert der emotionale Druck - er hat es auf unser tiefstes Innerstes abgesehen, bringt uns mental aus dem Gleichgewicht und lässt uns und im Besonderen unser Gehirn nicht zur Ruhe kommen.

 

Kann ich mich weder dem physikalischen, noch dem emotionalen Druck entziehen, sprechen wir von physischer und mentaler Gewalt.

 

Wie also funktioniert das Miteinander der Pferde in einer Herde? Über mentalen und physischen Druck, oder ist es doch eine viel subtilere Kommunikation?

Jedes Individuum in einer Pferdeherde bekleidet einen bestimmten Rang, der mit unterschiedlichen Pflichten verbunden ist. Je höher der Rang, desto mehr Plichten hat das Pferd gegenüber seinen Artgenossen. Diese Ränge werden zwischen den Pferden durch Machtkämpfe, die nicht immer physisch sein müssen, ausgefochten. In dem Zusammenhang agieren die Pferde nonverbal mit ihrem Körper und es scheint als würden sie den zu Beginn beschriebenen Druck einsetzen. Doch ist es wirklich physischer und psychischer Druck, der zur Durchsetzung bestimmter Ziele von den Tieren eingesetzt wird?

 

Bei meinen Beobachtungen in einem Aktivstall, in dem auch mein Seelenpferd zu Hause ist, konnte ich bereits viele Situationen beobachten, bei denen die Tiere aneinander gerieten. Druck, so wie er vom Menschen definiert wird, konnte ich bei den Pferden nicht beobachten - weder Physischen, noch Physikalischen.

Bei einem Aufeinandertreffen unterschiedlich ranghoher Tiere genügte stets ein kleines Anlegen der Ohren oder die rein physische Präsenz des ranghöheren Tieres, um seine Bedürfnisse durchsetzen zu können.

Trafen jedoch zwei Tiere aufeinander, die den gleichen Rang bekleiden, wurde die Situation präkerer.

Die Aktionen verlagerten sich vom Menalen zum Physischen und es flogen viel öfter die Hufe.

Wie auch jeder Mensch, hat jedes Pferd eine Komfortzone, eine sogenannte "Blase" um sich herum, in die es andere Lebewesen nur herein lässt, wenn es diesen vertraut.

Bei meinen Beobachtungen konnte ich studieren, wie die Pferde mit Hilfe dieser "Blase" andere Pferde energetisch Bewegen - das Prinzip: Wer bewegt wen.

Befindet sich der Pferdekörper in einer Entspannungsphase, wie zum Beispiel beim Schlafen oder Dösen, ist der energetische Zustand ihrer Komfortzone durchaus kleiner und die Artgenossen dürfen gerne in dieser verharren. Beim Fressen, oder im Beisein eines geliebten Individuums (sei es nun ein Mensch oder ein anderes Pferd) kann diese Komfortzone durchaus größer sein. Der energetische Gehalt dieser "Blase" ist in so einer Situation auf einem höheren Level und verdeutlicht den anderen Pferden, dass ihre Anwesenheit momentan nicht erwünscht ist.

Wenn ich nun mit meinem Pferd "spiele", benötige ich überhaupt gar keinen emotionalen und physischen Druck, um mich meinem Pferd verständlich zu machen. Durch Bilder, die ich mir in meinem Geist vorstelle, kann ich meine eigene Körperenergie gezielt steuern und meinem Pferd so in jeder Situation die richtige Frage stellen. Ganz sanft, mit wenig Energie und Fokus, ist es mir möglich zunächst den Geist und anschließend die Beine meines Pferdes zu bewegen. Kommt auf die gestellte Frage keine Reaktion, kann ich meine Energie verstärken und meine Frage (sinnbildlich gesprochen) mit mehr Fokus erneut formulieren.

 

 

 

31.08.2015

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